Parallel zur Anfahrt des THW wurde die Trümmerstruktur durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr überprüft, 36 Personen mit 2 Drehleitern evakuiert und die Einsatzleitung aufgebaut. Gleichzeitig wurde der Leitungs- und Koordinierungsstab (LuK) des THW Witten alarmiert und mit zwei ehrenamtlichen Einsatzkräften besetzt.
Bei Eintreffen an der Einsatzstelle wurde das Erkundungsteam des THW durch die Berufsfeuerwehr in die Lage eingewiesen. Bei dem betroffenen Geschäftshaus waren die untersten 3 Treppen (EG – 1.OG; 1.OG – 2. OG und 2.OG – 3.OG) aus Stahlbetonfertigteilen eingestürzt und bildenten eine horizontale, dreilagige Schichtung auf der Bodenplatte. Mit großer Erleichterung vernahmen die THW’ler, dass die Schichtung frei war, also keine Person verschüttet wurden. Aufgrund der geringen Überlebenswahrscheinlichkeit in der angetroffenen Schichtung war dieses ein wirklich große Glück im Unglück.
Im Anschluss der Lageeinweisung wurde das Gebäude durch das THW erkundet. Das Gebäude wurden in die Schadensklasse 2 und die beiden verbleibenden Treppenläufe in die Schadensklasse 4 und die Schichtung in die Schadensklasse 5 eingestuft. Das heißt es bestand die GEFAHR das jederzeit die beiden Treppenläufe einstürzen konnten.
Bei der anschließenden Lagebesprechung wurde festgelegt, dass der Schutzabstand auf den gegenüberliegen Bürgersteig erweitert wird und ohne Sicherung der beiden verbleibenden Treppenläufen die Ardeystraße gesperrt bleiben muss.
Aufgrund der Wichtigkeit der Ardeystraße wurde durch den Einsatzleiter in Abstimmung mit dem Bürgermeister entschieden, dem THW den Einsatzauftrag zu geben, die Sicherung der beiden Treppenläufe mittels Abstützung durchzuführen. Mit der Bauordnung der Stadt Witten wurden die Abstützmaßnahmen im Vorfeld abgestimmt, um eine Übernahme der Einsatzstelle durch die Bauordnung zu ermöglichen.
Dieser Einsatzauftrag war der Start einer sehr komplexen, ca. 48h dauernden Abstützung des THW. Das wichtigste Augenmerk bestand darin, die eingesetzten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht über die normale Einsatztätigkeit zu gefährden.
Aus diesem Grund wurde als erstes mit dem Einsatzsicherungssystem (ESS) des THW eine Überwachung der beiden Treppenläufe aufgebaut. Hierdurch konnte mit sehr hoher Genauigkeit mögliche Verformungen mit einem Tachymeter gemessen werden. Hierzu mussten zwei Fenster durch das THW über die Drehleiter der Feuerwehr mit der Rettungskettensäge herausgeschnitten werden. Aufgrund der Technik des Tachymeters ist ein Messen durch die Scheibe nicht möglich. Das ESS sicherte somit die Einsatzkräfte ab Mittwochmittag bis Donnerstagabend als erste Sicherungsebene ab.
Die zweite Sicherungsebene bestand in der provisorischen Sperrung der Treppenaugen mittels Kanthölzern um bei einem kollabierenden Treppenlauf das Durchschlagen des Treppenlaufes zu verhindern. Als dritte Sicherungsebene wurde der Zugang zum Gebäude nur auf Einsatzkräfte mit Einsatzauftrag beschränkt und eine Registrierung der Einsatzkräfte aufgebaut.
Nachdem die Sicherungsebenen aufgebaut waren, wurde mit der Abstützung der Treppenläufe begonnen. Hierzu wurden am Mittwochnachmittag bis Abend die Baustützenabstützung für das primäre Abstützungssystem im Erdgeschoss (EG) bis zum zweiten Obergeschoss (2.OG) erstellt und die Trümmer der Schichtung gegen Verrutschen gesichert.
Parallel zu den Abstützarbeiten wurde die statische Vorbemessung und die Ausführungsplanung für die Sicherung der Treppenläufe im 3. und 4. Obergeschoss erstellt.
Die Arbeiten wurden gegen Mitternacht unterbrochen und am nächsten Morgen um 7 Uhr fortgesetzt. Dieser Schritt diente dem Schutz der Helferinnen und Helfer, da in den späten Nachtstunden die Konzentration sinkt, das Unfallrisiko steigt und die Produktivität abnimmt.
Am Donnerstag wurde die Traggerüstabstützung mit dem EGS (Plettac Modulgerüst) im dritten und vierten Obergeschoss als Primärabstützung durchgeführt. Hierbei wurden die beiden jeweils mit Sicherheit (g=1,35) 84 kN = 8,4 t schweren Stahlbetontreppen im Bereich der Treppenläufen unterbaut und leicht angehoben, um die Eigengewichtslasten der Treppenlaufes in die Abstützung einzuleiten.
Zeitgleich wurde mit der Sekundärabstützung begonnen, wobei der untere Viertelpunkt durch eine Holzabstützung und der obere Viertelpunkt der Treppenläufe durch Baustützen gesichert wurde. Zusätzlich wurden die Auflagerpunkte mittels Schwelljöchern abgestützt.
Der Materialtransport wurde am Donnerstag mit dem Mobilkran des THW durchgeführt. Hierbei stellte sich auch bei dieser Unterstützungsarbeit die hohe Flexibilität des Liebherr Kran heraus.
Zur Erstellung der Abstützungen mussten Teile des Estrichs entfernt werden, um eine Lastabtrag ohne Stauchung der Dämmung unter dem Estrich zu ermöglichen. Die Beseitigung des Bauschuttes lief währen der Abstützarbeiten parallel.
Am zweiten Einsatztag ruhte die Einsatzstelle wieder von 23:30 Uhr bis 07:00 Uhr am nächsten Morgen.
Am Freitagmorgen wurde die sekundäre Abstützung weitergeführt. Zusätzlich wurden die Baustützen und die Fußspindel der Gerüstabstützung mittels Betonschrauben an die Stahlbetondecken angeschlossen.
Die nicht durch Umwehrungen (Geländer) gesicherten Bereiche der Treppenaugen wurden durch Behelfsumwehrungen gesichert, um die Gefahr des Absturzes auszuschließen.
Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Schadensklasse der beiden Treppenläufe aufgrund der Abstützung in die Schadensklasse 2 zurückgestuft.
Die Feuerwehr Witten führte den Einsatz während des gesamten Einsatzes mit dem Einsatzleitwagen 2 (ELW2) des Ennepe-Ruhrkreises, stellte einen Sicherungstrupp zur Verfügung und unterstützte mit der Drehleiter. Das DRK versorgte die Einsatzkräfte währen der gesamten Einsatzzeit.
Die Kooperation mit der Feuerwehr, der Polizei, dem Deutschen Roten Kreuz, den Mitarbeitenden der Stadt Witten sowie den regionalen Einheiten des THW wurde von allen beteiligten Einsatzkräften als äußerst zufriedenstellend bewertet.
Im Einsatz war neben dem THW Witten, Teileinheiten aus Bochum, Castrop-Rauxel, Hagen, Hattingen, Herne, Dortmund, Kamen-Bergkamen, Remscheid, Schwelm, Wanne-Eickel und Wetter.
Der Einsatz endete am Freitagabend, den 13.03.2026 um 18:30 Uhr mit der Eigentumssicherung der zwei geöffneten Fenster durch Schließung mittels Holzplatten und der Schleißung der defekten Eingangstür mittels Bautür.
Durch die Berufsfeuerwehr Witten wurde nach Abschluss der Abstützung ein kurzer Zutritt der Mieter der Nutzungseinheiten ermöglicht. Anschließend erfolgte die Übergabe des gesicherten Gebäudes durch die Feuerwehr an die Bauordnung als zuständige Behörde. Durch die Kripo wurde das Gebäude für Ermittlungen beschlagnahmt.
Ein großes DANKE geht an alle ehrenamtlichen und beruflichen Einsatzkräfte, die an diesem Einsatz über drei Tage beteiligt waren.

